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Eduard bargheer:
Auf Augenhöhe – Portrait und Landschaft

24.03.–01.09.2019

Zur neuen Ausstellung:

Eduard Bargheer hat einmal geäußert, für ihn sei es im Prinzip das Gleiche, das Portrait einer Landschaft oder die „Landschaft“ eines menschlichen Gesichts zu gestalten. Die beiden Gattungen zwei Seiten der selben Medaille? Die neue Ausstellung geht an Hand von repräsentativen Arbeiten aus sechs Jahrzehnten dieser Frage nach. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die künstlerische Entwicklung Bargheers gelegt, die durch eine zunehmende Abstraktion gekennzeichnet ist. Gerade bei der Gegenüberstellung von Portraits und Landschaften zeigt sich, welche Rolle Abstraktion jeweils spielt und wie Bargheer  als gegenständlich arbeitender Künstler deren Möglichkeiten auslotet.

Beim Malen ging es Bargheer um den Ausdruck seiner inneren Beziehung zum Gegenstand. Er begegnet seinem Gegenüber gleichsam „auf Augenhöhe“ und er spiegelt sich selbst in ihm. So lassen die Portraits nicht selten Züge seiner selbst erkennen. Dieser Projektions- und Identifikations-Vorgang ist auch bei der abstrahierenden Landschaftsdarstellung Ausgangspunkt, wenn auch Gegebenheiten wie  Anblick und Aussehen hier vielleicht nicht immer die gleiche Rolle spielen wie beim Portrait eines Menschen, bei dem der Betrachter der Bilder doch eher Merkmale äußerer „Ähnlichkeit“ und Wiedererkennbarkeit zu suchen gewohnt ist. Verbindendes der beiden Genres bleibt auf jeden Fall, dass das Augenerlebnis immer Ausgangspunkt und Maßstab der künstlerischen Gestaltung bleibt.

Die Ausstellung berücksichtigt insbesondere auch die Selbstportraits und deren spezifische Problematik, dass Subjekt und Objekt in diesem Fall zusammenfallen, also hier die Distanz fehlt.

Sowohl bei den Bildnissen als auch bei den Landschaften versteht es Bargheer meisterhaft, das jeweils Charakteristische und Wesentliche zum Ausdruck zu bringen. Beeindruckend ist die kolossale Lebendigkeit, die insbesondere die Portraits ausstrahlen. Bei diesen bewirkt allerdings eine gewisse Formalisierung, dass das einmalige individuelle Erscheinungsbild, der Phänotyp,  zurücktritt zu Gunsten eines verallgemeinerten  Prototyps.

 Die vulkanische Landschaft der Insel Ischia, das Erlebnis des mediterranen Lichts und sicher auch die Begegnung mit den Menschen dieser Region haben dem Künstler, wie er 1949 aus Italien an eine Freundin in Deutschland schrieb, „wieder ein Maß gegeben“. Dieses Maß, ein überaus menschliches, sollte fortan Grundlage seiner abstrahierenden und symbolisierenden  Formsprache sein.

Dirk Justus


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